Resistance in Johannesburg #2

Hier könnt ihr den Beitrag auch bequem als Podcast anhören: Dropbox-Link

Mit der Zeit lernt man eine Stadt doch recht gut kennen, knüpft Freund*innenschaften und bekommt Insider-Infos über Orte und Menschen, die hier in der Region aktiv sind und versuchen gutes zu tun. Der Folgende Artikel bringt euch weitere Projekte ein wenig näher und verrät abschließend auch, wie es bald hier weiter geht.

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„The Market Theater“, ein Ort der Kunst, des Theaters, und für mich auch ein Ort des Reflektierens über Privilegien. Es war eine krasse, durchaus auch emotionale Show. „The Suitcase“ porträtiert die Geschichte eines jungen Schwarzen Päärchens, dass zu Zeiten der Arpartheid aus der ländlichen Region in den Stadtteil Sophiatown (bei Johannesburg) zieht, um dort ihr Glück zu finden. Die Herausforderungen der Zeit, die Armut und das vergebliche Betteln um einen Job verdrängen das Glück jedoch, auch wenn immer wieder ein Funkten der Hoffnung aufflammt. Realistisch und dramatisch – die Geschichte hat kein gutes Ende und lässt mich stark über meine Privilegien, die aktuell herrschende Armut und die Geschichte nachdenken. Ich bin nur durch Zufall woanders geboren und musste mir nie Sorgen um Nahrung, Obdach oder Schulbildung machen. Und auch heute noch besteht in Südafrika eine große Arbeitslosigkeit, vor allem unter den Jugendlichen, sogar den gut studierten. Doch dass auch Hoffnung und tatsächliche gesellschaftliche Veränderung da ist wird mir ein paar Stunden später bewusst. In einem Club wird getanzt, mitgesungen, getrunken und sich amüsiert. Schwarz und Weiß zusammen. Auch wenn das Leben hart ist, so gibt es sicher irgendwo auch Zeiten der Hoffnung und der Freude.

Und es gibt Projekte, die Alternativen aufbauen, sich unterstützen, dem Hunger und der Armut gemeinschaftlich versuchen ein Ende zu setzen. Zusammen mit Andrew und Siyabonga trafen wir auf Shain, der fleißig im Garten arbeitete. Das Land haben sie, wenn auch in Absprache, besetzt und gut bepflanzt. Es ist ein feuchtes Gebiet und entsprechend wächst das Gemüse recht gut. Auf meine Frage, wer denn alles mitarbeitet, antwortete Shain mir, dass es ein offenes Projekt ist und immer wieder unterschiedliche Menschen kommen. Sie verkaufen das Gemüse nicht, sondern tauschen, z.B. gegen einen warmen Tee oder ein Mittagessen bei der Frau nebenan. In der Nacht wird auch nichts gestohlen (außer Mais) und so wächst das Projekt auf eine schöne Gartengröße heran. Shain trägt ein LGBTI T-shirt und ich frage nach, in wie fern er die politische Szene dazu kennt. Er ist ganz verwundert, ihm war nicht bewusst, was er trägt doch er grinst freundlich und sagt, er unterstütze gern alle Menschen, die irgendwie von Diskriminierung betroffen sind.

Hier das Gespräch als Audiodatei: Dropboxlink

Wir laufen weiter, springen über einen Kanal. Links von uns ist ein alter Wohnwagenpark / Wagenplatz, der vor einiger Zeit geräumt, aber nun auch wieder neu besetzt wurde. Andrew erklärte, dass dies durchaus als politische Direkte Aktion gesehen werden kann. Der Wohnungsmarkt ist ein harter, doch die Menschen finden ihre Wege und besetzen das Grundstück und die Häuser und bauen weitere Unterkünfte auf. Auch ein Sangoma (oder eher Inyangas: Traditioneller Arzt der mit vielen Kräutern arbeitet –> hier) hat ein Haus und Garten hier besetzt. Etwas weiter kommen wir wieder an kolonialen Denkmälern / einer Grabstätte vorbei. Wahrscheinlich war hier früher eine Farm der Buren (mehr zur Geschichte: Wikipedia).

Wir laufen etwas weiter und treffen den Sangoma beim Gärtnern in einem anderen Projekt namens Siyakana Food Garden. Begonnen hat dieses als ein universitäres Projekte unter Leitung eines Professors, doch jetzt wird es durch ein Gärtner*innen-Kollektiv gemanaget, so Andrew der hier früher (vor 5 Jahren) auch viel mitgeholfen hat. Es ist mittlerweile ein riesen großer Garten und das Gemüse wächst unglaublich gut. Anders als das Projekt bei Shaine, verkaufen sie das Gemüse hier und garantieren sich somit ein wenig Einkommen. (Leider kann ich dazu nichts weiter schreiben)

Wir verlassen das Stückchen Grün, das ich nun in Johannesburg kennenlernen durfte und laufen in die Innenstadt. Hier bekomme ich einen Einblick in die Graffiti- und Street-Art Szene.

Einen kurzen Exkurs mag ich an dieser Stelle zum Stancil „Remember Marikana“ machen – 2012 haben Bergarbeiter für einen besseren Lohn gestreigt. Der Streik wurde von der Polizei allerdings gewaltvoll beendet und über 40 Menschen wurden getötet. Massaker von Marikana. Das Stancil ist von einem Kollektiv in Kapstadt designt worden. Mehr zur Kampange: hier. Die 4 Portrais der getöteten Mienenarbeiter unter dem Hashtag # Bury My Heart At Marikana hat Andre mit erstellt. Mehr zum Massaker von Marikana in der folgenden Doku:

Die anderen Graffities thematisieren Gewalt gegen Frauen und Xenophobie und sprechen sich für ein friedliches und tollerantes Miteinander aus. Auch findet man Stancil, die an die Fees Must Fall Protestbewegung erinnern und auch Steve Biko, ein wichtiger Widerstandskämpfer aus den Reihen der Black-Consciousness-Bewegung, der zu Apartheidszeiten sehr aktiv war, aber auch von der Polizei ermordet wurde. (Mehr zum ANC und der südafrikanischen Widerstandbewegung: hier)

Hier ein sehr bekanntest Interview, wie sich Biko ein nicht-rassistisches Südafrika vorstellt:

Und hier eine etwas ausführlichere Doku:

Unser letzter gemeinsamer Ort ist ein Soziales Centrum mit einer großen Anlage zum Skaten. Hier wird Kunst gemacht, sich getroffen, im Haus selbst ist auch ein Kicker zu finden. Ich erkenne einige erfreuliche Symbole und Sprüche die für Anarchie, Soziale Gerechtigkeit und Direkte Aktion stehen.

Wir gehen wieder raus und fangen an ein wenig mit Kreide zu malen, denn wir waren motiviert und wollten eine Solidaritäts-Botschaft in den Hambacher Forst schicken, denn dort werden seit heute früh die ersten Bäume ermordet. Schon nach kurzer Zeit kommen viele weitere Kinder und fragen, ob sie auch etwas malen dürfen. Na klar! Ich erklären den Kindern, was im Hambi passiert und sie schauen mich entsetzt mit der Frage: „Warum machen Menschen so etwas?“ an. Und so entstehen Bäume, Schmetterlinge und politische Forderungen als Solidaritätsaktion mit dem Hambacher Forst. „Stop cutting the trees – it is our future!“ → Mehr Infos zum Hambi: Hambi-Website| #Hambibleibt

Mit diesen Einblicken und Eindrücken im Gepäck geht meine Reise nun aber auch weiter. Ich verlasse Johannesburg und reise in den Süden – ins Eastern Cape, die Region in der ich bereits früher mal gelebt und gearbeitet habe.

Hier angekommen beginnt die Zeit des Nachhaltigen Aktivismus‘ (Erholung und Reflexion). Auch möchte ich mich mit Freund*innen von früher treffen und erfahren, welche Projekte bei ihnen momentan laufen. Das Rauschen des Meeres tut gut, ich finde etwas Ruhe und widme mich in dem nächsten Artikel dem Thema „Reflexion“ und werde dazu entsprechend einige Werkzeuge beschreiben. Seit gespannt, was kommt – denn ich bin es auch.

Vielen lieben Dank für das zahlreiche positive Feedback und das es euch Freude bringt meinen Beiträgen zu folgen. Bis bald!

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