Bildung trifft Entwicklung

Im März fand das Einführungsseminar zum Globalen Lernen von Bildung trifft Entwicklung statt. Neben den Zielen und Grundsätzen der politischen Bildung gab es Raum und Zeit zum Austausch mit weiteren Bildungsaktivist*innen aus ganz Deutschland. Vielfältige Erfahrungen wurden ausgetauscht, spannende Diskussionen geführt und innovative Methoden ausprobiert. Auch wurde an konkreten Konzepten für zukünftige Projekte gearbeitet. Diese und weitere evtl. bereits bestehende Projekte, können nun von Schulen, Vereinen oder anderen Gruppen gebucht werden. Die Finanzierung dieser Veranstaltung läuft dabei über das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bzw. Engagement Global (Bildung trifft Entwicklung) mit seinen jeweiligen Landesnetzstellen. Ein solches Förderprogramm ermöglicht eine große Anzahl und unkomplizierte Durchführung von Projekten der entwicklungspolitische Bildungsarbeit in Deutschland. 

 

Im Zentrum dieser Bildungsarbeit liegt der pädagogische Umgang mit der Globalisierung. Ursachen, Folgen, Chancen und weitere Aspekte werden aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und pädagogisch aufbereitet. Wie gehen wir heute mit der Globalisierung und allen Aspekten, die dazu gehören, um? Was bedeutet das konkret für unseren Alltag? Welche Handlungsspielräume tun sich auf und wie lassen sich diese sinnvoll und nachhaltig füllen? In den Projekten sollen die Projektteilnehmenden globale Zusammenhänge erkennen, ihren eigenen Standpunkt dazu entwickeln, d.h. gesellschaftliche Realitäten bewerten und folglich eigene Handlungsoptionen entwickeln. So kann ein Transfer der Theorie in die Praxis stattfinden und das direkte Handeln geübt werden. Thematisch weist der Ansatz des Globalen Lernens kaum Grenzen auf, womit zahlreiche und ganz unterschiedliche Themen (Umwelt, Wirtschaft, Soziales, Politik, …) angesprochen werden können. An sich kann damit für jedes Schulfach ein Projekt des Globalen Lernens entwickelt werden. Und auch über Schulfächer hinaus lassen sich Projekte gestalten. Dabei soll stets eine Globale Verknüpfung herausgestellt und ein Perspektivenwechsel angeregt werden.

 

Im Einführungsseminar achteten die Referent*innen auf eine Reflexion ihrer eigenen Arbeitsweise und ermöglichten damit einen direkten Einblick für alle Teilnehmenden. Ähnlich wie in meinen Projekten, ging es auch in diesem Seminar mit einer Kennlernphase und Standpunktreflexion los. Konkret wurde nach der Motivation für die Bildungsarbeit gefragt. Anschließend wurden Weltkarten analysiert und Alternativen zur eurozentristischen Darstellung aufgezeigt. So zeigt beispielsweise die Folgende Karte eine flächengetreue Abbildung der verschiedenen Ländern. Sie sind damit der Größe nach in Relation gesetzt.

 
Europa steht damit nicht mehr im Zentrum, ist nicht übertrieben groß, sondern im Vergleich zu z.B. Indien ziemlich klein. Dies kommt der Realität näher als eine winkelgetreue Abbildung. Anhand der verschiedenen Karten konnte auch die Ausrichtung der deutschen Entwicklungspolitik thematisiert und kritisiert werden. Auf Karten wird oft deutlich, wie wir die Welt sehen, wie wir sie einteilen oder gar bewerten. Was dies mit Globalen Lernen zu tun hat, was das eigentlich konkret ist, wurde anschließend präsentiert. Eine Reflexion des Kulturbegriffs und unserer eigenen Werte erfolgte anschließend und leitete zur konkreten Planung eigener Projekte über.

 

Durch methodische Impulse, wie das Weltverteilungsspiel oder soziografischen Aufstellungen, wurde die Planungsphase angeregt. Abschließend erfolgte eine Präsentation und Reflexion des neu entwickelten Angebots. In diesen 2 Tagen konnte damit ein grober, aber dennoch breiter Einblick in das Konzept des Globalen Lernens geboten werden. Eine Vertiefung ist jedoch erforderlich, um konkrete (und vorallem auch qualitativ hochwertige) Projekte wirklich in die Realität umzusetzen.

Da ich im letzten Jahr eine Ausbildung zum Trainer für entwicklungspolitische Kontexte und Bildungsarbeit gemacht habe, biete ich an dieser Stelle meine Unterstützung für alle an, die sich dem Themenbereich Globales Lernen widmen wollen. Mir ist dabei eine rassismuskritische Perspektive sehr wichtig und zugleich Grundlage meiner Bildungsarbeit. Die setze ich auch von meinen Partner*innen voraus. Denn viel zu häufig kommt es zu einer Reproduktion rassistischer Stereotype in diesem Feld der Bildungsarbeit. Es wird beispielsweise nach Afrikaprojekten gefragt, in dem man mit Kindern Trommeln und singen soll. Weitere Informationen können aus meiner Hausarbeit zum Thema „entwicklungspolitische Bildungsarbeit unter postkolonialen und antirassistischer Perspektive“ entnommen werden. (Per Anfrage bzw. demnächst online unter: http://www.umlauf.cc/Publikationen

  Foto: Selbstreflexion mit Knete und Verordnung in einem Baum.

Abgerundet wurde dieses Seminar von Bildung trifft Entwicklung durch den Film „Das Fest des Huhnes“ welches die Praxis der rassistischen Zuschreibung umdrehte und die „wahren“ Hintergründe der Menschen aus Oberösterreich aus einer Perspektive des Globalen Südens aufzeigte. Der Folgende Trailer gibt einen kleinen Einblick in diesen Film, der sich auch für die Bildungsarbeit eignet oder für Ethnologie-Studierende ein Pflichtfilm sein sollte.

Kurzeinblick: http://youtu.be/dER6EiSu5SM

Gesamtfilm hier: http://youtu.be/ASzG4QdriOg

Wenn Sie Interesse haben, sich gemeinsam mit ihrer Gruppe, einem Thema intensiver und strukturiert auseinander zu setzen, so können Sie mich gern kontaktieren. (Kontakt) Auch für Referent*innen des Globalen Lernens stehe ich bei Fragen oder auch einfach so zum Austausch bereit. Bildung trifft Entwicklung in Rostock und Umgebung 🙂

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